26. Oktober 2014 – Mein Vater Bernd erfüllt sich seinen Traum vom Marathonfinish!

Der Geschichtsschreiber Herodot berichtet über den griechischen Boten Pheidippides, der 490 v. Chr. von Athen in zwei Tagen nach Sparta gelaufen war, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu suchen (vergleiche hierzu Spartathlon).
Daraus formten 500 Jahre danach Plutarch und Lukian von Samosata unter Berufung auf Herakleides Pontikos eine Legende, der zufolge ein Läufer sich nach dem Sieg der Athener in der Schlacht von Marathon auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht habe und dort nach der Verkündung seiner Botschaft νενικήκαμεν (transkribiert: nenikekamen) „Wir haben gesiegt“ tot zusammengebrochen sei.

Ganz so dramatisch endete der 26. Oktober 2014 beim Marathon in Frankfurt am Main glücklicherweise nicht. Um ca. 15:08 Uhr durchlief mein Vater Bernd dort den Zielbogen und erfüllte sich in diesem Moment seinen Traum vom Finish. Wir hatten unser großes Vater – Sohn – Projekt, welches im Mai des gleichen Jahres startete, erfolgreich beendet.

Gut ein halbes Jahr Vorbereitungszeit und ein langer Weg lagen vor meinem Vater, als er unerwarteterweise zu seinem Geburtstag am 02. Mai einen Gutschein für die Teilnahme am Frankfurt Marathon in seinen Händen hielt. Doch von der ersten Sekunde an nahm er sich dieser Herausforderung an und arbeitete von nun an seinem großen Ziel, gut sechs Monate später in die Festhalle in Frankfurt einzulaufen, dort wo ich nur zwei Jahre zuvor meinen ersten Straßenmarathon gefinisht hatte.
Die ersten Wochen sahen eine stetige Steigerung der Umfänge von anfangs 20 Minuten auf zunächst 90 Minuten vor. Nach der ein oder anderen muskulären Verhärtung und sonstigen Wehwehchen steigerte er sich bis Anfang September so weit, dass bereits Leistungen von 50 Minuten auf 10km und sogar einer Halbmarathonzeit unter 2 Stunden (Saarschleife) möglich waren. Nun galt es, seinen Kampfgeist die letzten verbleibenden vier Wochen aufrechtzuerhalten und sich strategischen Dingen, wie Pacing, Ernährung etc. zu widmen.

Dann war es soweit…das letzte Wochenende im Oktober 2014! Der große Tag!
Der Startschuss für sein großes Ziel erfolgte um 10 Uhr, als er sich mit vielen tausend anderen Läuferinnen und Läufern auf den Weg machte, darunter auch seine Cousine Stefanie, die sich parallel in Hildesheim vorbereitet hatte, um sich auch ihren Traum vom Marathon zu erfüllen. Wir (die Familien der beiden Läufer) waren mindestens genau so aufgeregt und wollten beide bestmöglich unterstützen.
Wie erhofft, lief es im wahrsten Sinne des Wortes wunderbar! Bernd konnte seinen angepeilten 6:40 Kilometerschnitt sehr gut bis zum Halbmarathon halten, sodass er diesen Punkt nach gut zwei Stunden und 20 Minuten passierte, circa zehn Minuten vor seiner Cousine. Die zweite Hälfte, die ja bekanntlich etwas schwieriger wird, hob sich der Schnitt etwas an, aber dank unserer fürsorglichen Unterstützung und deren unglaublichen Kampfleistung bis zum Schluss kamen beide nach über 42 Kilometer umjubelt und mit einem riesigen Lächeln im Gesicht im Ziel in der Festhalle an (Bernd 04:54 Stunden und Stefanie 05:36 Stunden). Es war ein Tag mit vielen Höhen und Tiefen, unzähligen Emotionen mit einem glücklichen Ende und es bleibt eine große Menge Stolz, dass beide ihren Traum an diesem Tag erfüllt haben. Noch am selben Tag beschlossen beide schon das nächste Rennen! Im April 2015 möchten beide beim Hannover Marathon dieses schöne Ereignis wiederholen!

Auch für mich als betreuender “Trainer” war dies ein wirklich schöner Tag und es hat mir unglaublich viel Spass gemacht beide Sportler zu begleiten und zu unterstützen. 2014 war für mich selbst mit einer großen Spendenaktion, dem Ironman Finish und einer neuen persönlichen Bestzeit über die 70.3 Distanz, ein sehr erfolgreiches Jahr, aber der Frankfurt Marathon ist sicherlich eines, wenn nicht sogar das Highlight im Sportjahr 2014!

Herzlichen Glückwunsch an beide Läufer! Auf eine tolle Saison 2014/15!

Written by: Christian Weich