Kilometer für Kids 2015

Kilometer für Kids 2015 – Eine Spendenaktion in Rheinland-Pfalz

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Einmal um die Heimat und zurück

Donnerstag, 09.Juli 2015 Mainz
11:04:06 Uhr Ich parke mein Auto „An der Kirchpforte“, irgendwo mitten in Mainz. Von hier aus soll es losgehen…Ganz unscheinbar starte ich die längste sportliche Reise meines Lebens. Zuvor fehlt mir gar die Vorstellung eine Distanz von über 1000km mit enorm vielen Höhenmetern in nur drei Tagen zu bewältigen – ich weiß nicht, wie es sich anfühlt über 10 Stunden im Sattel zu sitzen – ich habe keine Ahnung, wie sich die zudem erwarteten Temperaturen von über 30 Grad in den kommenden Tagen auswirken. Aber ich bin mir sehr sicher, warum ich dieses Abenteuer dennoch eingehe. Mein Team, welches erst am zweiten Tag dazukommt, und mich erwartet eine ganz besondere Tour rund um unsere Heimat. Wie schon im vergangenen Jahr wollen wir uns permanent motivieren und antreiben die volle Distanz durchzuziehen und insbesondere möchten wir mit Herzenssache Kindern und Jugendlichen in RLP, BW und dem SL helfen, das Leben mit dem gesammelten Geld schöner zu machen. Außerdem haben wir in diesem Jahr vorgesehen einen Teil an eine Gruppe Ersthelfer (First Responder Hochwald) aus unserem Heimatort zu spenden. Und so rollte ich mit gut 15kg Gepäck auf dem Rücken los…

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Zunächst rolle ich gut zwei Stunden entlang des Rheins bevor ich in Kaub zum ersten Mal das Flachland verlasse und 500 Höhenmeter am Stück in Richtung Westerwald aufsteige. Dies ist quasi mein Tor in die Hügellandschaft des Nordens…von hier an geht es stetig auf und ab entlang der hessischen Grenze. An diesem Tag ist es vergleichsweise kühl, doch nicht nur das macht mir zu schaffen: Da meine Software auch Radwege für „normale“ Bikes eingeschlossen hat, kommt es nicht selten vor, dass ich mit meinem Rennrad buchstäblich über Stock und Stein fahren muss, was in Burgschwalbach (Rhein Lahn Kreis) fast zum Aufgeben schon nach 100 km führt. Zunächst fahr ich noch den herrlichen Weg hoch zur Burg Schwalbach (Foto) ohne zu wissen, dass die Weiterfahrt mich kilometerweit über einen unbefestigten Radweg (Aar-Höhenweg) führt. Ich fluche ungemein, bin jetzt schon der Verzweiflung und den Tränen nahe, bis ich irgendwann im Hintergarten einer Familie in Kaltenholzhausen lande. Ich mag nicht wissen, was gerade in ihren Köpfen vorgeht, hebe mein Rad über den Graben und setze meine Reise auf der Straße fort. Über Diez (2.Pause, 120 km), Westerburg, Rennerod führt meine Achterbahnfahrt einmal von Süd nach Nord durch den Westerwald, jedoch muss ich zugeben, dass meine Fahrt mit Ausnahme der anwachsenden Müdigkeit schöner geworden ist. Oftmals an schönen Stellen oder wenn sich ein Tief anbahnt, halte ich inne und mache mir bewusst, welch ein Privileg es ist, diese Reise unternehmen zu dürfen. Außerdem freue ich mich sehr auf mein Team welches mich ab dem kommenden Tag unterstützen wird.

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18:38:07 Uhr: Am späten Abend rolle ich eine steile Straße hinab…Willkommen im Paradies Niederdreisbach. So fühle ich mich echt, zumindest emotional nach diesen harten, aber abenteuerlichen ersten 190 Kilometern. Ich übernachte hier in einem alten, aber sehr großen Gasthof, der offensichtlich durch einen stämmigen Osteuropäer und seiner Familie betrieben wird. Ich werde hier sehr gastfreundlich und nett empfangen, allerdings scheint es mir, als ob ich heute Abend der einzige Gast bin. Dementsprechend ist die Küche nicht wirklich in Gang, was sich jedoch bald ändern sollte, denn ich wusste ja, was bei der Königsetappe in der Eifel morgen auf mich zukommt. In einer wirklich unterhaltsamen Zeit, in der mir der Gastgeber offenlegt, warum die Welt so ist wie sie ist, warum in der Welt Kriege herrschen und Armut viele Träume frühzeitig zerstört, höre ich sehr gespannt zu und esse einen Hamburger mit Pommes und Salat, eine Pizza und 10 Hühnchenflügel. Ich muss wohl im Paradies sein…

Freitag, 10.Juli 2015 Niederdreisbach
05:30:00 Uhr Mein Wecker klingt früh – sehr früh! Aber ich bin unglaublich aufgeregt und gewillt, in diesen unglaublich abenteuerlichen Tag zu starten. Mich erwartet ein Strecke vom Westerwald entlang der nordrhein-westfälischen Grenze, durch Eifel und Ardennen, dann an der Mosel entlang durch Luxemburg nach Trier. Nachdem ich mein Gepäck zusammenhabe um es bald ins Auto zu laden, frühstücke ich ausgiebig um dann beim ersten Schritt vor die Tür festzustellen, dass es arschkalt ist! Als mein Team wenige Minuten später ankommt zeigt deren Thermometer ganze 3 !!!! Grad Celsius. Darauf bin ich in diesem Moment weder mental noch kleidungstechnisch vorbereitet. Ich ziehe die längsten Socken an, die ich finden kann, 3 Trikots übereinander und zweckentfremde meine Kompressionssocken/Calves zu Ärmlingen. Es ist kalt, neblig und auf den ersten 15 Kilometern nach Betzdorf bin ich so steif, dass ich fast am Fahrrad festfriere…

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08:00:00 Uhr Den endgültigen Sonnenaufgang erlebe ich im Nebeltau des Siegtals durch welches ich bis zur ersten Pause durchrolle (siehe Foto). Langsam aber sicher beginnt neben der Temperatur dann aber auch die Straße zu steigen, ich komme dem Norden und somit der Eifel immer näher und stelle nach nur wenigen Kilometern fest, dass auch wir in unserer Heimat eine „Hölle des Nordens“ haben. Nicht weniger als 3000 Höhenmeter muss ich allein in diesem Streckenabschnitt hinter mich bringen.
16:00:00 Uhr Zum ersten Mal bin ich auf dieser Tour so richtig verzweifelt…Ich habe mich nach Stadtkyll irgendwie (mal wieder in einem Waldabschnitt) verfahren und muss den Weg von Ormont nach Brandscheid durch die dichten Wälder und kilometerweit ohne jede Tankstelle irren. Hinzukommt, dass mein Wasservorrat kurz vor knapp ist und ich telefonisch mein Supportteam auf die neue Route lenken muss. Doch auch diese Phase zeigt mir wieder, dass ein solches Abenteuer ein ganzes Leben widerspiegelt…Es gibt Höhen und Tiefen, aber das wichtige ist, dass du nicht unten bleibst, sondern dich stets wieder nach oben kämpfst um weiterzumachen! Glücklicherweise konnte mich mein Team, an diesem Nachmittag und Abend Katrin und Sebastian, wieder aufpäppeln, sodass ich die Reise in Richtung Luxemburg bzw. Mosel fortsetzen konnte.
17:30:00 Uhr Noch ein Mal sorgte ein Bienenstich im Halsbereich, die sich auf einer Abfahrt bei Irrhausen in meinem Trikot verfangen hatte für Aufregung, doch glücklicherweise konnten wir die Schwellung frühzeitig kühlen, sodass ich den Tag bis kurz vor Sonnenuntergang weiterfahren konnte. Mein persönliches Highlight waren dann die letzten 40 km von Wallendorf bis Wasserliesch, meinem Tagesendpunkt bei schon über 500 Gesamtkilometern. Hier wechselte ich am Ende eines unglaublich langen Tages auf Zeitfahrrad und Aerohelm und war in etwas mehr als einer Stunde am Ziel. Was ein Geschwindigkeitsrausch….als Dankeschön gab es schätzungsweise 2000 Mücken zum Abendessen.

Samstag, 11.Juli 2015 Wasserliesch
06:30:00 Uhr Nachdem ich die Nacht in meinem eigenen Bett verbringen konnte, startete ich frisch und voller Tatendrang in den letzten „langen“ Tag. Ich wurde von meinem Team dorthin gebracht, wo ich gestern ausgestiegen war. Ganz in der Nähe der luxemburgischen Grenze hieß es dann, auf geht’s in Richtung Süden.

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10:00:00 Uhr Ein absolutes Highlight auf meiner Tour stellte mein erster Tagesstopp in Reinsfeld dar. Hier erwartete mich ein Großteil meiner Familie, um mit mir gemeinsam den Endspurt einzuleiten. Mein Patenonkel Friedrich konnte sich sogar motivieren, eine weite und besonders hügelige Strecke durch den Hochwald bis fast nach Birkenfeld auf dem Mountainbike mit mir mitzufahren. Es war für mich ein sehr schönes Gefühl so viel Rückenwind von meiner Familie nicht nur zu wissen, sondern auch live gespürt zu haben. Als mein Team nach der Pause hinter einer Kurve verschwindet, halte ich kurz inne! Welch ein Tag… es ist gerade erst Mittag und ich durfte schon so viele wunderbare Dinge erleben. Es sind diese kleine Erlebnisse, ich nenne sie „magic moments“, denen man besonders auf einer solchen Tour Beachtung schenken sollte: Sonnenauf- und untergänge, auffallende Landschaften, ständig wechselnde Gerüche oder die enormen Temperaturschwankungen. Ich lasse die bisherige Tour nach ein Mal durch meinen Kopf laufen und rolle in Richtung Pfalz…die Temperatur liegt mittlerweile weit über 30 Grad Celsius. Der Nachmittag ist geprägt von einem stetigen Auf und Ab durch die Pfalz, was bei Zweibrücken seinen Höhepunkt erreicht. Hier muss ich zum ersten Mal an diesem Tag eine Pause vorziehen. Wassermangel, die Summe der wiederkehrenden Anstiege und die Gefahr einen Sonnenbrand zu bekommen, zwingen mich unter einem großen Baum am Ortseingang vom Rad zu steigen. Ich lasse mich einfach nur auf den Rücken fallen…Für einen kurzen Moment kann ich nicht mehr,… bis mir vor Augen kommt, wie weit ich mit meinem Team schon gekommen bin! „Nur noch die Südpfalz und dann morgen gemütlich entlang des Rheins flach zurück“ sage ich,…hoffentlich nicht zu leichtsinnig, denn auch am Abend und am morgigen Sonntag wird sich das Wetter gnadenlos zeigen. Kurz nach Zweibrücken verlasse ich die saarländische Grenze und fahre entlang der französischen Nachbarschaft durch den wunderschönen Pfälzerwald, dessen schlechte Straßen durch die wunderschöne Umgebung rund um Dahn (Foto) entschädigt werden. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich, dass es nur noch einen Anstieg, hoch auf die Landauer Höhe gibt. Anschließend geht es dann „nur“ noch flach nach Speyer, meinem Tagesziel. Doch vorher durfte ich noch einmal Gas geben, wie schon am Tag zuvor an der Mosel entlang ging es nun mit Highspeed über die B272, diesmal allerdings mit unschönem Ausgang.

Auf der stark befahrenen Straße, die kilometerweit nur geradeaus führte, lies ich mein Begleitfahrzeug vorfahren, ohne zu wissen, dass ich meinem Körper keinen Gefallen tue jetzt noch so in die Pedale zu hauen. Doch kaum war das Fahrzeug außer Sichtweite, merkte ich, dass meine Beine von jetzt auf gleich einfach dicht machten! Ich hatte auf einen Schlag so wenig Kraft, dass ich es nicht mal fertig brachte, das Handy aus meinem Trikot zu kramen, um mein Team zurückzufordern. Erst als sie mich nach längerer Zeit per Anruf erlösen, ist der Tag für mich beendet. Völlig am Ende, aber mit strahlendem Gesicht, dass wir alle an diesem Tag Großes geleistet hatten stieg ich circa 5km vor Speyer ins Auto, um von dort den Rest zum Ziel zu fahren. Dass ich das letzte Stück hätte sowieso nicht selbst fahren können, da die B272 dann in eine Kraftfahrtstraße übergeht, beruhigte mein Gewissen etwas. Am Abend gab es dann für alle Burger King, viel Schlaf und für den Rest der Truppe einen lustigen Abschluss auf dem „Brezelfest“.

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Sonntag, 12.Juli 2015 Speyer – Auf zum letzten Akt –
„Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende“ heißt es so schön,…am Morgen der Zielankunft wache ich auf und freue mich auf eine genussvolle Rückfahrt nach Mainz. Bisher habe ich unzählige Berge erklommen, bin über Bundesstraßen gedüst oder steinige Wege durch Fehlleitungen des GPS in Kauf nehmen müssen. Doch heute soll es anders werden, ganz genüsslich dem Rhein entlang zurück…
…doch schon bald merke ich, dass dies an einem schönen Sonntag im Juli gar nicht so einfach ist. Ich muss durch etliche Orte, teils mit Kopfsteinpflaster und vielen Touristen hindurch: Ludwigshafen, Worms, Frankenthal usw. Da ich mich auf eine gemütliche Rückfahrt gefreut habe bin ich etwas genervt und kann den Weg irgendwie nicht so richtig genießen. Immerhin, auf den gut 90km bis Mainz haben wir lediglich eine Pause geplant, sodass ich die meiste Zeit mit mir selbst beschäftigt bin und die Tour etwas reflektieren kann…

…ca. 13:00 Uhr irgendwo in Mainz
Wie schon zu Beginn dieser großen Tour endet sie auch irgendwo Mitten in Mainz, da ich mal wieder auf eine Kraftfahrtstraße gestoßen bin. Da ich aber schon Ortsschilder mehrerer Vororte passiert habe, bin ich damit einverstanden den Rest mit dem Auto zum Europakreisel zu fahren, um dort ein nach knapp 1000km und über 12000 Höhenmetern ein verdientes Abschlussfoto zu machen! Es war wieder mal eine großartige Tour mit vielen schönen Erlebnissen, welche jedoch mit meiner Crew nicht möglich gewesen wäre! Wir sind am Ende stolz, dass wir zudem über 3000 Euro für einen guten Zweck sammeln konnten, mit denen wir vielen Kindern in unserer Heimat das Leben etwas schöner machen möchten! Herzlichen Dank an alle, die uns unterstützt haben!

Kilometer für Kids 2015 – Zeitungsartikel

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