– so titelte meine Heimatzeitung nur wenige Tage nach meinem lang erwarteten Rennen in Zürich am 30. Juli 2017.

…Am Ende eines langen Sporttages mit vielen Höhen, aber auch langen Tiefen jogge ich ins Ziel am Mythenquai am Ufer des Zürichsees ins Ziel ein. Auf der Tafel über mir steht nicht, wie erhofft, 9:20h, sondern eine ernüchternde 10:04h. Die Gefühle sind sehr vermischt, auf der einen Seite habe ich mein Ziel, die Qualifikation für die Ironman WM auf Hawaii verpasst, auf der anderen soeben eine Triathlon Langdistanz gefinished und dabei die wohl beste und bemerkenswerteste Unterstützung genossen, die man sich vorstellen kann! Über 20 Supportern aus Familie, Freundes- und Bekanntenkreis haben über einen halben Tag lang alles gegeben um mir meinem Traum zu erfüllen. Dies macht mich sehr glücklich und ich bin unendlich dankbar für Euren Einsatz!! Das war gigantisch!!

Am Morgen ging es schon um 6:45 Uhr topfit los in den Zürichsee auf die 3,8km lange Runde in Form eines großen ‚T’s, die ich in einer neuen persönlichen Bestzeit schon nach unter einer Stunde hinter mich gebracht hatte! Hier lief alles bestens und nach Plan und ich wusste, dass die beiden kommenden Disziplinen mir noch viel besser liegen. Bei noch angenehmen Temperaturen ging’s ab aufs Rad mit über 40 km/h flach entlang des Sees bis fast nach Rapperswil. Hier hatte ich eine sehr gute Gruppe, die auf legale Weise für ein schnelles Tempo sorgte, obwohl bereits hier immer wieder stärkere Windeinflüsse von vorne zu spüren waren. An den ersten Anstiegen konnte ich meine Stärke gut ausspielen und mich teilweise sogar etwas absetzen, bis ich bei KM 55 am ‚Beast‘ zum ersten Mal einen plötzlichen Einbruch hatte, der leider so stark war, dass ich kurzfristig mein Tempo deutlich reduzieren musste, sodass ich sowohl Zeit, als auch meine schnelle Gruppe verlor. Den Rest der ersten 90km lief, nachdem ich diesen Einbruch zunächst weggesteckt hatte, sehr gut und ich konnte nach 2:28h die erste Runde beenden. Zunächst ging ich mit einem guten Gefühl zum zweiten Mal auf die 30km lange Flachpassage entlang des Sees, unwissend, dass nicht nur die Temperatur nun schon deutlich über 20 Grad lag, sondern, dass der vor 3 Stunden noch harmlose Wind nun deutlich stärker von vorne kam. Erst hier bemerkte ich wie schwerwiegend der Verlust der Gruppe am Berg vorher war, denn es gelang mir nicht das Tempo aus dem ersten Durchgang alleine zu treten. Auch wenn alle Beteiligten der ersten Runde sich an die 11m Abstand der Windschattenbox gehalten haben, so hat eine solche Gruppe eine sehr positive Dynamik, nicht nur, weil man durch ständiges Überholen und Überholtwerden immer mal wieder kurzzeitig den Windschatten des vorher Fahrenden nutzen kann. Im Endeffekt lag hier die wohl entscheidende Phase des Rennens: Ich verlor aufgrund des Soloritts (35,5 gegenüber 40,2 km/h im Schnitt über diesen Abschnitt) sehr viel Zeit, aber besonders viel Kraft, wie sich noch zeigen sollte. Ein weiteres Mal ging es über den welligen Abschnitt zurück in Richtung Zürich, den Heartbreak Hill hinauf und bergab in die Wechselzone 2, nach knapp 5:05h, also 7 Minuten langsamer als noch in der ersten Runde. Meine Wettkampfzeit betrug zu diesem Zeitpunkt knapp 6 Stunden und 10 Minuten und hier wusste ich, dass ich schon einen 3:10h Marathon brauchen würde, um noch eine realistische Hawaii Chance zu haben. Vielleicht lag genau hier der entscheidende Gedankengang nicht einfach weiterzumachen, sondern zu viel über die Zeit nachzudenken.
Dennoch positiv gestimmt ging ich in die erste Runde, die auch mit dem gewollten Schnitt um 4:40/km begann. Zum ersten Mal an Martin, Franzi, Tobi und Co. vorbei bemerkte ich recht schnell, dass meine Kilometerzeiten sehr schnell fielen, obwohl sich mein Lauf flüssig anfühlte. Immer wieder versuchte ich den Motor zu starten: zunächst mit Gels, dann Cola und Wasser, aber stattdessen fiel mein Tempo immer weiter bis es zu Beginn der zweiten Runden seinen negativen Höhepunkt erreichte. Bei KM 11 bekam ich Krämpfe im Hüftbereich und leichtes Unwohlsein im Magen. Hier gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf, aber Aufgeben oder Gehen kam für mich nicht in Frage. Ich wusste, dass irgendwann wieder Energie kommt….
Irgendwann…nach gut 3 Liter Cola, Wasser, Salz und Magentropfen bemerkte ich bei KM 26, dass ich doch wieder schneller kann. Innerhalb weniger Minuten konnte ich fast eine gesamte Runde (bis KM 35) unter oder um 5:00/km laufen. Leider wusste ich hier, dass ich auf den letzten 7km nochmal deutlich schneller sein muss, um unter 10h zu bleiben, was den Tag ergebnistechnisch noch etwas entschädigt hätte. Aber ich entschied mich den Rest zu genießen, nochmal die letzten 40 Minuten den Tage revue passieren zu lassen….
Es war nicht mein Tag, vielleicht beim Schwimmen, aber nicht beim Radfahren und recht nicht beim Laufen! Aber nach etwas mehr als 10 Stunden laufe ich am Mythenquai ins Ziel, eine Mischung aus Freude, Dankbarkeit, aber auch Enttäuschung drückt meine Körpersprache aus! Das Schönste am Tag sind die anschließenden Umarmungen mit meiner Familie und Freunden direkt nach dem Ziel.
Am Ende ist es ein Langdistanzfinish, eine ordentliche Energieleistung, aber auch nicht mehr. Dennoch habe ich aus diesem Rennen und vor allem aus der Vorbereitung sehr viel gelernt und gewonnen, denn es ist nicht nur die Zeit, die am Ende hinter dem Namen steht, sondern all die Arbeit und Stunden, die man sich auf Tag X vorbereitet hat.
Ich gratuliere allen Athleten, die an diesem Tag, trotz hohen Temperaturen, dieses Rennen gefinished haben! Es war ein sehr fairer und wunderbarer Rahmen für einen Ironman.
Ich bedanke mich von Herzen bei allen Unterstützern, Freunden und Gönnern meiner langen Reise, die gerade erst begonnen hat…

  • Written by: Christian Weich

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