Gleich vorneweg, hier im Norden Europas habe ich die wohl schönste Wettkampfreise bisher verbracht: Gewaltige Wasserfälle überall entlang der Straßen, offenherzige Menschen, die immernoch den Geist der Wikinger vertreten, schroffe Berge und Klippen und die jedem bekannten Fjorde, die das Innenland wie lange Schlangen durchziehen. Allein meine beiden Ausflüge zum Preikestolen und der Trollzunge „Trolltunga“ baten mir unglaubliche Aus- und Einblicke in dieses wunderbare Land, welches auf jeden Fall eine Reise wert ist. Diese Natur, gepaart mit einem leidenschaftlichen Organisationsteam, das jedes Detail plant und für alle Fragen und Anliegen bis tief in die Nacht offen ist, führte dazu, dass dieses Rennen zurecht die Auszeichnung zur besten/schönsten Mitteldistanz 2015 weltweit bekommen hat.

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Aber nun von vorn…leider kam es durch einen Flugtausch in Frankfurt zu einem Problem mit meinem Koffer, das dazu führte, dass sowohl mein Reisekoffer mit Kleidung, als auch mein Rad getrennt (warum auch immer?) circa 24 Stunden verspätet in Haugesund ankamen. Erst am Abend vor dem Start gegen 22:30 Uhr konnte ich alles am dortigen Flughafen abholen, sodass ich glücklicherweise gegen 23:00 Uhr endlich einchecken konnte. Herzlichen Dank nochmals an das Orga-Team, die mir den Late-Check-In ermöglicht haben. Nunja, wie dem auch sei, ab nach Hause, das 11-Meter Schießen des EM Viertelfinals Deutschland gegen Italien geschaut und ab ins Bett, da ich nur gut 6 Stunden später bereits um 5:45 Uhr an der Wechselzone bei Mika Timing stehen musste, um meinen Chip abzuholen. Dem geübten Triathleten ist diese frühe Zeit natürlich nicht fremd, sodass ich direkt alles mitnahm, um anschließend in strömendem Regen meine Wechselzone einzurichten.

Dennoch hatte ich hier nun etwas Zeit in das Rennen reinzukommen und final zu begreifen, dass ich tatsächlich, nach all dem Hin und Her, starten konnte.
Also konnte es losgehen…Das verwinkelte Schwimmen in einem wunderschönen See, dass aufgrund der extrem niedrigen Außentemperatur um gut 200m verkürzt wurde begann sehr gut, allerdings tat ich mich mit der Strecke im weiteren Verlauf schwer, sodass ich zwar bereits nach 28 Minuten aus dem Wasser kam (16. Position), ich aber nicht wirklich damit zufrieden war. Also musste mal wieder das Radfahren herhalten. Da ich schon vor dem Rennen wusste, dass ich hier keinen Slot annehmen möchte, konnte ich hier eine andere Taktik ausprobieren. Mit Volldampf über die Radstrecke und dann so lange wie es nur geht hart anlaufen. Die etwa um einen Kilometer längere Radstrecke bietet alles, was das Triathlonherz begehrt: ein zu 100% neuer Straßenbelag über 91 km, wunderbare Natur mit Wasserfällen, Fjorden, verschieden Wälder und Seen, rollende Hügel, aber auch harte Anstiege. In Kombination mit starkem Süd-West Wind und Starkregen war die Strecke doch um einiges schwieriger, als auf dem Papier gedacht. Dennoch ging meine offensive Taktik auf und ich konnte noch knapp 2 Stunden und 23 Minuten mit einem 38 km/h Schnitt vom Rad steigen (Platz 7.). Eine neue persönliche Bestzeit, 6 Minuten schneller als 2014 beim Rennen in Rapperswil-Jona. Also dann, ab zum Laufen: Zwei wellige Runden bis zum finalen Einlauf im Hafen von Haugesund. Auch hier war hart anlaufen angesagt. Der Plan: so lange wie möglich unter 4:00 Min/Km bleiben, jedoch konnte ich dies nur 11 km, also bis knapp über die Hälfte aufrechterhalten. Die Strecke führte über insgesamt sechs starke Auf- und Abstiege (150 Hm), die mich jeweils zu viel Kraft kosteten, diesen Schnitt durchzuhalten. Da aber nur noch 10 km zu laufen waren und ich unbedingt unter 1:30 laufen wollte, versuchte ich mit Cola nochmal etwas Sofortenergie zu tanken, was mich die letzten beiden Kilometer nochmal soweit auf Trapp brachte, dass ich nach 1:29:40 ins Ziel kam und tatsächlich mein im letzten Jahr gesetztes Ziel schaffte, im 70.3 unter 1:30 zu laufen.

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Hier wurde mir nun nach 4 Stunden und 28 Minuten eine super schöne Wikinger Medaille überreicht, mit der ich meine persönliche Bestzeit inkl. Hamburgern (!) im Zielbereich feiern konnte. Im Endeffekt habe ich nun hier meine 2015 für dieses Jahr gesetzten Ziele erreicht einen 70.3 unter 4:30 St. und den zugehörigen Lauf unter 1:30 zu finishen. Insgesamt hieß es dann Platz 9. in einem sehr stark besetzten Feld (da norwegische Meisterschaft) und einen Slot für die Ironman WM in Australien, den ich leider schweren Herzens weitergeben musste. Ich weiß aber auch, dass hier noch Luft nach oben ist und dass das noch lange nicht alles war.

So freue ich mich nun auf meine letzte große Herausforderung 2016: Die ETU Europameisterschaft in Walchsee – Kaiserwinkl am 04. September, wo ich zum ersten Mal für die Deutsche Amateurnationalmannschaft starten darf.
Ich bedanke mich bei allen Unterstützern und Sponsoren, dem Orgateam Norwegen und meinen Gastgebern, die mir nicht nur vor, sondern auch nach dem Rennen dieses tolle Land näher gebracht haben. „Mange takk! Bye for nå!“

Written by: Katrin Mattmann

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