In einer meiner Seminararbeiten (aus 2012 Trainingswissenschaften, Universität des Saarlandes) betrachtete ich eine Auswahl vermutlich leistungssteigernder Substanzen bezüglich ihrer natürlichen Wirkung, aufgrund körpereigener Produktion, und deren mögliche Effekte als Nahrungsergänzungsmittel. Dies wird anhand von wissenschaftlichen Studien, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden evaluiert und gegebenenfalls differenziert.

Kreatin scheint besonders bei kurzen, intensiven Belastungen (Kraft, Sprint und HIT) einen positiven Effekt zu haben. Hingegen werden Ausdauerathleten vergeblich oder sogar zu ihrem Nachteil supplementieren. Neben einer förderlich bewerteten Kreatin Speichervergrößerung (Grundlage für Leistungssteigerung), wird hingegen die Zunahme von fettfreier Masse (ca. 1000g), vornehmlich durch Wassereinlagerung kritisiert. Problematisch scheinen jedoch eher lebensbedrohliche Einzelfälle, die mit einer Einnahme in Verbindung gebracht werden, gastro-intestinale Zwischenfälle und im Besonderen das Fehlen von Langzeituntersuchungen und Wechselwirkungsanalysen mit anderen Mitteln. Bei Kreatinspeicher im Muskel bleibt die Frage, inwiefern dieser genetisch determiniert ist und somit eine Rolle bei einer möglichen Vergrößerung spielt. Dies könnte auch eine Ursache dafür sein, ob eine Person als Non-Responder keinen Effekt, auch in den oben genannten Aktivitäten erzielt.

Anders gestaltet sich die allgemeine Meinung gegenüber (L-)Carnitin, dem eine literaturübergreifende Wirkungslosigkeit angeheftet wird. Die von nahezu allen Autoren aufgeführten Schlussfolgerungen über eine leistungsverbessernde Funktion, wie gesteigerter Transport der freien Fettsäuren ins Mitochrondrium, vermehrte Energiebereitstellung aus Fetten oder Drosselung der anaeroben Energiegewinnung, konnte ausnahmslos widerlegt werden. Hier fällt besonders der Mangel an aussagekräftigen Replikationsstudien und die schlechte statistisch-methodische Arbeitsweise (z.B. fehlende Kontrollgruppe, unterschiedliche Dosis oder Belastungen u.a.) auf. Im Sinne der Leistungssteigerung im Sport scheint eine Supplementierung von Carnitin zu diesem Zeitpunkt dementsprechend zwecklos und sollte nicht durch kommerzielle Werbemaßnahmen überbewertet werden.
Spricht man über Kaffee denkt man wohl, bevor man an Sport denkt, eher an eine Steigerung des Wachheitsgrades (Vigilanz). Jedoch resultieren offensichtlich viele Effekte, z.B. im Ausdauersport, auf genau diese Auswirkungen im Zentralen Nervensystem. Besonders wird hierdurch die psychomotorische Leistungsfähigkeit, beschrieben durch Konzentration, Reaktion oder Merkfähigkeit, verbessert. Belegt ist wahrscheinlich einen positiver Nutzen für den Ausdauersport, denn aufgrund einer gesteigerten Lipolyserate hat Koffein einen glykogensparenden Effekt. Zudem liegen Untersuchungen betreffend neurologischer Prozesse (besonders bezüglich Kalzium in der Muskulatur) vor, die auch Verbesserungen kurzzeitiger Belastungen, vermutlich bis zu 20 Minuten Aktivitätsdauer, bestätigen. Der oftmals angekreidete diuretische Effekt, der besonders Kaffee zugeschrieben wird, ist eher auf eine erhöhte Flüssigkeitszunahme zurückzuführen. Lediglich in Spielsportarten und Sprint bzw. Maximalkraftbelastungen scheint es bis dato keine positiven Befunde zu geben. Nebenwirkungen, wie Herzrasen, Durchfall etc. kommen zwar häufiger vor, sind jedoch sehr individuell und sollten vor einer Ingestition, besonders vor einem Wettkampf, getestet und nur bei guter Verträglichkeit angewandt werden.
Taurin, oftmals mit Koffein verknüpft, wird hingegen bisher keine Wirkung oder positive Veränderung zugeschrieben. Studien, die zukunftsweisende Ergebnisse aufzeigen, wurden bisher nur an Tieren durchgeführt. Zudem wird der Bedarf über die Eigensynthese beim gesunden Menschen vollkommen gedeckt. Aufgrund dessen kann man auf eine Supplementierung verzichten.

Anders als beim Taurin, schein die Einnahme von BCAAs bzw. Proteinen in einigermaßen moderaten Mengen förderlich zu sein. Hierzu wurden besonders Untersuchungen im Bereich des Muskelaufbaus (Anabolismus), Verhinderung des Muskelabbaus (Katabolismus) und Regenerationsfähigkeit bzw. Ermüdungsresistenz durchgeführt. Auch wenn die Studienlage hier recht deutliche Aussagen wagt, sollte man dennoch vorsichtig sein. Zum einen werden zu hohe Dosen oftmals einfach als Energieträger oxidiert und somit in Bezug auf die oben beschriebenen Wirkungen nutzlos und zum anderen erwähnt Friel (2009, S.250f. ) ein ungesundes „Ungleichgewicht in der Versorgung mit Aminosäuren (…)“ und die damit ggf. verbundenen langfristigen gesundheitlichen Folgen.

Allgemein lässt sich zusammenfassen, dass für alle ergogenen Substanzen richtungsweisende Studien vorliegen. Man muss allerdings ganz klar betonen, dass diese keine Evidenzen für oder gegen die Supplementierung der oben genannten Beispiele enthalten. Neben den bekannten und beschriebenen Nebeneffekten, die allerdings nicht generalisierbar, sondern eher auf Einzelfälle zurückzuführen sind, ist der größte Kritikpunkt die Vorgehensweise bei statisch-methodischen Arbeiten. Neben Kontrollgruppen und sehr unterschiedlichen Dosen bzw. Testzeitpunkten wird speziell die zu kurze Studiendauer bemängelt, sodass in der Regel Langzeiteffekte nicht untersucht und demzufolge unzureichend bekannt sind. Letztlich liegt es an jedem Athleten selbst herauszufinden, ob die betreffenden Substanzen einen leistungssteigernde Wirkung hervorrufen oder nicht. Dies ist grundsätzlich legitim, solange er nicht gegen Dopingauflagen verstößt. Zudem sollte ihm etwas daran liegen, seine Gesundheit in den Vordergrund zu stellen und nicht aufgrund von 2% mehr Leistung unangenehme Schmerzen oder Gewichtsprobleme in Kauf zu nehmen. Obwohl noch keine lebensgefährlichen bzw. drastischen Nebeneffekte gefunden wurden, ist es jedoch empfehlenswert, mit einem erfahrenen Arzt oder Trainer Rücksprache zu halten und die leistungsbestimmenden Parameter bzw. Blutwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen. Hier gilt es, besonders im Kinder –und Jugendbereich, Aufklärungsarbeit zu leisten, da leistungssteigernde Mittel immer mehr und immer früher an Sportler herangetragen werden.
Wie bereits in einem früheren Abschnitt hervorgehoben, sollte man ein besonderes Augenmerk auf die Sauberkeit der Produkte werfen. Hierzu wurde die sogenannte Kölner Liste eingerichtet, die regelmäßig Substanzen großer Hersteller prüft und die Ergebnisse online frei zugänglich aufführt. Abschließend eine Bemerkung von Beachle & Earle (2000): „Reliance on ergogenic substances may distract the athlete from full attention to proven training techniques, and even effective substances may produce side effects that emerge at just the wrong time and hinder peak performance. [Inhaltlich wiedergegeben: Die Verlässlichkeit auf ergogenee Substanzen führt möglicherweise zur Vernachlässigung bewährter Trainingsmethoden, gegebenenfalls sogar zu Nebeneffekten, die, wenn sie zum falschen Zeitpunkt auftreten den Athleten am Erreichen seiner maximalen Leistungsfähigkeit hindern.]“

Weitere Informationen, den gesamten Artikel bzw. die vollständige Arbeit inklusive Literaturregister finden Sie hier:
Seminararbeit Ergogene Substanzen

Written by: Christian Weich